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Geschiche


Portrait von Johannes Otto Bredeick im Foyer der St. John's Church in Delphos, Ohio (Foto: Frithjof Meißner)
Johannes Otto Bredeick
1789 in Bornholte geboren
1844 erster Pastor in Delphos

Ursprünge der Partnerschaft

Im 19. Jahrhundert gründete der aus Verl stammende Pastor Johannes Otto Bredeick die Stadt Delphos in Ohio, USA, zu der der Verler Heimatverein seit langer Zeit freundschaftliche Kontakte pflegt und mit der die Stadt Verl seit 1999 eine offizielle Städtepartnerschaft verbindet. Wie kam es aber zu diesem nicht alltäglichen "Friendship Link"?

Im Jahre 1789, dem Jahr der Französischen Revolution, wurde Johannes Otto auf dem Bredeick'schen Hof (heute Meermeier, Lindenstraße 157) in Verl-Bornholte geboren und wuchs dort auf, kam aber schon früh in die Obhut geistlicher Herrn. Er besuchte das Gymnasium in Rietberg und wurde schließlich Pastor. Später avancierte er zum Domkapitular in Osnabrück und hätte dort eigentlich in Ruhe und Frieden leben sollen.

Doch Johannes Otto Bredeick konnte das Elend der Menschen in Westfalen und im Osnabrücker Raum nicht übersehen. Durch Missernten verhungerten damals Tausende in ganz Europa. Er war nicht bereit, die bittere Armut der Menschen als gottgegeben zu akzeptieren und suchte nach einer Möglichkeit, ihnen zu helfen. So organisierte er gemeinsam mit seinem Bruder Ferdinand, der damals noch als Bauer den elterlichen Hof in Bornholte bewirtschaftete, für eine erste Gruppe von Menschen die Auswanderung nach Amerika. Dazu kauften die Brüder von der US-Regierung Land in Ohio und suchten Familien aus, die mit Ferdinand und seiner jungen, hochschwangeren Frau in die USA gehen sollten. Die Tochter der beiden, Amalie, war das erste Kind, das in der neuen Gemeinde in den USA geboren wurde. Sie heiratete später einen Herrn Lang, und noch heute kann man in Delphos das Lang House bewundern. Johannes Otto selbst durfte seine Stelle am Dom zu Osnabrück trotz inständiger Bittgesuche noch nicht verlassen, da der Bischof sein Placet verweigerte.

Die Menschen, die mit Ferdinand gingen und etwa je zur Hälfte aus dem Osnabrücker Raum und aus dem Verler Land stammten, hatten nichts zu verlieren und waren bereit, ihre ärmlichen Katen hier zu verlassen und mit Kind und Kegel in die Neue Welt aufzubrechen. Wenn Sie sich für diesen Aspekt der deutsch-amerikanischen Geschichte interessieren, erhalten Sie umfangreiche Informationen zur westfälischen Amerika-Auswanderung seit dem 19. Jahrhundert beim Amerikanetzwerk, einem Zusammenschluss von Fachleuten und interessierten Laien zu diesem Thema, und bei der Forschungsstelle Deutsche Auswanderer in den USA an der Universität Oldenburg. In diesem Zusammenhang ist sicher die Auswandererkarte von 1853 von besonderem Interesse.

Der Gedenkstein für Father Bredeick über seinem Ehrengrab auf dem Friedhof in Delphos, Ohio (Foto: Frithjof Meißner)

Um die Bredeick-Brüder und ihre für die damalige Zeit geradezu revolutionäre soziale Einstellung besser zu verstehen, muss man wissen, dass sie den riesigen Landstrich in Ohio, der heute die drei um Delphos herum liegenden Counties umfasst, aus eigenen Mitteln erwarben und den Familien, denen sie in mehreren Wellen die Auswanderung nach Ohio ermöglichten, entsprechend große Parzellen davon zunächst kostenlos zur Nutzung überließen. Jeder sollte den Preis für sein Land erst dann, wenn es möglich war, und nur in solchen Raten, wie er es vermochte, an die Brüder bezahlen, denen es damals aber auch nicht schlecht ging, denn Ferdinand hatte auf Geheiß seines Bruders u.a. eine Schiffswerft gegründet und hielt mit seinen Canal Boats, die heute noch ein Wahrzeichen von Delphos sind, das Transportmonopol auf dem Miami-Erie-Kanal.

Der Bischof von Osnabrück ließ seinen Domkapitular erst drei Bittschriften und etliche Jahre später seinem Bruder in die USA folgen. Ferdinand hatte dort nach Johannes Ottos Willen in der Zwischenzeit zwei blühende Orte gegründet: Delphos und Ottoville, zwei Städte im sogenannten Mittleren Westen, deren Bewohner noch heute sehr stolz auf ihre deutschen Wurzeln sind und die deutschen Traditionen pflegen. Auch von der westfälischen Mentalität haben sie viel bewahrt, denn ganz im Gegensatz zu dem in den USA allgemein üblichen Mobilitätstrend sind die Leute in Delphos und Umgebung auch heute noch sehr bodenständig.

Father Bredeick wurde dann doch noch der erste Pastor von Delphos und blieb es bis zu seinem Tode im Jahre 1858. Die Lebensdaten kann man dem Grabstein entnehmen, der auf seinem Ehrengrab auf dem Friedhof in Delphos steht. Als er starb, hinterließ er nicht nur seinen Verwandten in Verl eine recht ansehnliche Summe Geldes, sondern verfügte in moderner Weitsicht, dass aus seinem Pfarrhaus eine (damals durchaus noch nicht übliche) Mädchenschule gemacht wurde, und legte mit seinem weiteren Nachlass den finanziellen Grundstein für den Bau der bis heute ganz Delphos überragenden St. John's Church, eines Prachtbaus, der seinesgleichen sucht, wie man auf dem Foto hier unten und erst recht in der Vergrößerung des Bildes sehr gut erkennt.

Die St. John's Kirche in Delphos, Ohio (Foto: 'Nyttend')Neubeginn einer Freundschaft

Von alledem wusste in Verl bis 1993 niemand mehr etwas. Doch dann kamen durch die Vermittlung von Hermann Wrasmann aus Belm zwei mit ihm und seiner Frau befreundete Ehepaare aus Delphos nach Verl, Martha und Louis Kaverman sowie Vroni und Larry Luersman. Sie besuchten den Hof in Bornholte, auf dem ihr Stadtgründer 1789 geboren worden war. So kamen erste Kontakte mit der Familie Meermeier genannt Bredeick zustande, aus denen sich rasch engere Bindungen und Freundschaften entwickelten.

Da der Schwiegersohn der Familie Meermeier, Frithjof Meißner, nicht nur Englischlehrer war, sondern an seiner Schule, dem Ev. Gymnasium in Werther, auch für den Schüleraustausch und die internationalen Kontakte verantwortlich war, organisierte er gemeinsam mit seiner Frau Christine, geb. Meermeier genannt Bredeick, in den Osterferien 1995 eine Gruppenreise nach New York und Delphos. Schon bei diesem ersten Besuch einer Verler Reisegruppe sprach John Sheeter, der damalige Bürgermeister von Delphos, den Gedanken einer Partnerschaft zwischen Delphos und Verl an, doch da kein offizieller Vertreter der Gemeinde Verl zugegen war, konnten die Teilnehmer der Reisegruppe Mayor Sheeter lediglich zusagen, seine Idee zu Hause an berufener Stelle vorzutragen, was auch geschah, aber zunächst nur auf wenig Akzeptanz seitens der Offiziellen des Rates und der Verwaltung der Gemeinde Verl stieß.

Das Wappen von Delphos, 'America's Friendliest City' (Foto: Frithjof Meißner)Im Herbst 1997 schließlich wurden erstmals offiziell Flaggen ausgetauscht und im März 1998 stellte die City of Delphos, Ohio einen schriftlichen Antrag an die Gemeinde Verl, in dem sie durch Bürgermeister John Sheeter hochoffiziell um eine Städtepartnerschaft nachsuchte. Am 2. November 1998 fiel dann in einer Ratssitzung die Entscheidung, den Antrag aus den Vereinigten Staaten anzunehmen und eine Partnerschaft mit Delphos einzugehen. Die offizielle Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden fand am 31. März 1999 anlässlich des Besuchs einer deutschen Abordnung in (Washington und) Delphos statt. Der Gegenbesuch unserer amerikanischen Freunde wurde für den Sommer des folgenden Jahres verabredet.

Das Wappen von Verl, zunächst Gemeinde und ab 2010 Stadt (Foto: Frithjof Meißner)Und so verbrachte ab dem 30. Juni 2000 eine Reisegruppe aus Delphos einige Tage im schönen Ostwestfalen. Der Besuch war ein voller Erfolg für beide Seiten. Die Gäste waren in Verl herzlich willkommen. Es gab so viele Familien, die einen oder mehrere Gäste aufnehmen wollten, dass die Organisatoren manche auf den nächsten Besuch vertrösten mussten. Unsere amerikanischen Gäste genossen die westfälische Gemütlichkeit sehr, wie man immer wieder von ihnen hören konnte.

Der Gegenbesuch hätte eigentlich im Jahre 2002 stattfinden sollen, doch wurden diese Pläne von den Ereignissen des 11. September 2001, die eine rechtzeitige Planung und die Buchung der Flüge unmöglich machten, durchkreuzt. Daher fuhren die Verler erst im August 2003 nach Delphos und verbrachten wunderbare Tage in der Partnerstadt, bevor es weiter an die Niagarafälle und nach Südkanada ging. Bei diesem Treffen wurde beschlossen, dass die Besuche und Gegenbesuche der Partner fortan in einem regelmäßigen Dreijahresturnus stattfinden sollten.

Somit kamen die amerikanischen Freunde im Sommer 2006 nach Deutschland. Wir trafen Sie in Berlin und besuchten gemeinsam die deutsche Hauptstadt, Hamburg, das Alte Land, Bremen und auch das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven, bevor es nach Verl ging, wo die Amerikaner u.a. im "Hühnerstall" beim Bürgerverein Bornholte zu Gast waren und das Bürgerschützenfest in vollen Zügen genossen.

Der nächste Besuch aus der Ölbachgemeinde in Ohio fand vom 10. bis 22. Oktober 2009 als Jubiläumsreise zum 10-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Verl-Delphos statt und führte uns zur Westküste der USA (Los Angeles, Las Vegas, Grand Canyon und San Francisco), bevor wir unsere Freunde in Delphos besuchten. Nähere Informationen zu dieser Reise können Sie der entsprechenden Internetseite entnehmen.

Kaunitzer Schützenfest 2011, Gedenkfeier am Ehrenmal (Foto: Hubertus Ebbesmeyer)Im Sommer des Jahres 2012 kommt eine amerikanische Gruppe zu uns und wird nach dem Aufenthalt in Verl mit ausgiebiger Teilnahme am Kaunitzer Schützenfest eine "Große Deutschland-Rundreise" unternehmen, an der auch wieder Interessenten von hier teilnehmen können. Die Reiseroute führt über Berlin und Annaburg, Verls zweite Partnerstadt, nach Dresden, Bamberg, Dachau und München bis hinauf auf die Zugspitze. Anschließend geht es über Ulm, Freiburg im Breisgau, Speyer und die Loreley nach Frankfurt, von wo Deutsche und Amerikaner dann (leider) getrennt den Heimweg antreten.

Fahren Sie doch mit! Den Reiseverlauf, alle anderen Informationen und das Anmeldeformular finden Sie unter Deutschland-Reise 2012. Übrigens: Für eine Teilnahme an der Reise ist die Mitgliedschaft im Heimatverein nicht erforderlich!

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